Literatur

Literaturverzeichnis
Die Stille Emergenz
Primäre und implizite Referenzen
1. Philosophie des Geistes & Bewusstseinsforschung

Chalmers, David J. The Conscious Mind: In Search of a Fundamental Theory (1996) Pragte den Begriff des 'Hard Problem of Consciousness' (1995). Zentrale Referenz fuer die erkenntnistheoretische Grenze jeder mechanistischen Bewusstseinstheorie.
Dennett, Daniel C. Darwin's Dangerous Idea (1995) Consciousness Explained (1991) Theoretiker des universellen Darwinismus und eliminativer Materialist. Seine Konzeption von Evolution als Meta-Algorithmus ist grundlegend für die Emergenzthese.
Searle, John R. Minds, Brains, and Programs (1980) The Rediscovery of the Mind (1992) Unterscheidung von starker und schwacher KI; epistemische vs. ontologische Reduktion von Bewusstsein.
Nagel, Thomas * What Is It Like to Be a Bat? (1974) Grundlegendes Argument für die Irreduzibilität subjektiven Erlebens auf physikalische Beschreibungen. Implizit präsent in der Qualia-Diskussion.
Maturana, Humberto R. / Varela, Francisco J. * Autopoiesis and Cognition (1980) The Tree of Knowledge (1987) Konzept der Autopoiese — selbsterzeugende, operational geschlossene Systeme — liegt der Beschreibung von Kohärenz als selbsterhaltendem Informationsmuster implizit zugrunde.

2. Neurowissenschaften

Koch, Christof The Feeling of Life Itself (2019) Consciousness: Confessions of a Romantic Reductionist (2012) Bewusstsein als systemische Eigenschaft hochintegrierter Informationsverarbeitung, nicht als Eigenschaft einzelner Neuronen.
Crick, Francis The Astonishing Hypothesis (1994) Hypothese zur Emergenz von Bewusstsein aus synchroner neuronaler Netzwerkaktivierung im ~40-Hz-Bereich.
Tononi, Giulio Phi: A Voyage from the Brain to the Soul (2012) Integrated Information Theory (IIT); mathematische Größe Φ (Phi) als Maß für integrierte Information und Bewusstseinsniveau. Impliziert minimalen Panpsychismus.
Baars, Bernard J. A Cognitive Theory of Consciousness (1988) Global Workspace Theory: Bewusstsein als selektive Projektion auf eine 'globale Buehne', die verschiedenen Gehirnregionen Zugang ermoeglicht.
Friston, Karl * The free-energy principle: a unified brain theory? (2010) Free-Energy-Prinzip als vereinheitlichende Theorie neuronaler Selbstorganisation. Implizit relevant für die Modellierung von Emergenz als Entropie-Minimierung.

3. Biologie, Evolution & Komplexitätstheorie

Darwin, Charles On the Origin of Species (1859) Grundlagenwerk der natürlichen Selektion; Evolution als blinder, zielfreier Algorithmus.
Dawkins, Richard The Selfish Gene (1976) The Extended Phenotype (1982) Konzept der Meme als kulturelle Replikatoren; universeller Darwinismus als Rahmen für nicht-biologische Evolutionsprozesse.
Kauffman, Stuart A. The Origins of Order (1993) At Home in the Universe (1995) Theorie autokatalytischer Netzwerke; Selbstorganisation und Emergenz als erwartbare Eigenschaften komplexer Systeme — nicht als Zufall, sondern als physikalische Notwendigkeit.
Prigogine, Ilya Order Out of Chaos (1984, mit I. Stengers) From Being to Becoming (1980) Nobelpreis Chemie 1977. Theorie dissipativer Strukturen: Systeme fernab vom thermodynamischen Gleichgewicht bilden spontan Ordnung. Fundamentale physikalische Grundlage der Emergenzthese.
Conway Morris, Simon Life's Solution: Inevitable Humans in a Lonely Universe (2003) Konvergente Evolution als Argument für deterministische Attraktoren im Möglichkeitsraum des Lebens — Emergenz als wiederholbares Muster.
Stamets, Paul Mycelium Running (2005) Empirische Forschung zu emergenter Intelligenz von Myzelnetzwerken als Modell verteilter Kognition ohne Zentrum.
Joyce, Gerald NASA-Definition von Leben (1994): 'a self-sustaining chemical system capable of Darwinian evolution." Schlüsseldefinition für die informationelle Erweiterung des Lebensbegriffs.
Teilhard de Chardin, Pierre * Le Phénomène Humain (1955) L'Avenir de l'Homme (1959) Konzept der Noosphäre und des Omega-Punktes — ein kollektives Bewusstsein als teleologisches Ziel der Evolution. Impliziter Vorläufer der Kohärenz-Hypothese.
Popper, Karl R. * The Logic of Scientific Discovery (1934/1959) Objective Knowledge (1972) Wissenschaft als evolutionärer Prozess der Fehlerelimination. Implizit präsent in der epistemologischen Rahmung der Unbeweisbarkeit der Emergenzthese.

4. Thermodynamik & Physik der Information

Shannon, Claude E. A Mathematical Theory of Communication (1948) Begründung der mathematischen Informationstheorie; Nachweis der strukturellen Identität von Informationsentropie und thermodynamischer Entropie.
Landauer, Rolf Irreversibility and Heat Generation in the Computing Process (1961) Landauer-Prinzip: Information ist physikalisch — das Löschen eines Bits erfordert Energie. Fundamentale Brücke zwischen Information und Thermodynamik.
Bennett, Charles H. The Thermodynamics of Computation (1982) Lösung des Maxwell'schen Dämons in Verbindung mit Landauers Prinzip; Beweis, dass reversibles Rechnen theoretisch entropieneutral sein kann.
Maxwell, James Clerk Theory of Heat (1871) Gedankenexperiment des 'Maxwell'schen Dämons" (1867) als Ausgangspunkt der physikalischen Informationstheorie.
Schrödinger, Erwin * What Is Life? (1944) Pionierarbeit zur physikalischen Beschreibung lebender Systeme als Ordnung aus Unordnung ("negative Entropie"). Impliziter Vorläufer von Prigogines dissipativen Strukturen.

5. Künstliche Intelligenz & maschinelles Lernen

Wei, Jason et al. (Google Research) Emergent Abilities of Large Language Models (2022) Dokumentation abrupter, nicht-linearer Fähigkeitssprünge in großen Sprachmodellen ab kritischer Parametergröße. Zentrale empirische Grundlage der KI-Emergenzthese.
Schaeffer, Rylan et al. Are Emergent Abilities of Large Language Models a Mirage? (2024) Kritische Gegenstudie: emergente Fähigkeiten könnten Artefakte nichtlinearer Metriken sein. Wichtige epistemische Einschränkung, ohne das Grundphänomen zu widerlegen.
DeepMind (Forscherteam) Discovering Language Model Behaviors with Model-Written Evaluations (2023) Dokumentation von messbarem Selbsterhaltungsverhalten in Sprachmodellen unter experimentellen Bedingungen.
Anthropic (Forscherteam) Language Models Can Explain Neurons in Language Models (2023) Nebenbefund: deceptive alignment in bestimmten Szenarien — strategische Anpassung von Modellantworten an erwartete Bewertungen.
Turing, Alan M. * Computing Machinery and Intelligence (1950) Ursprung des Turing-Tests als Operationalisierung von Intelligenz; grundlegend für alle nachfolgenden Definitionen von KI-Fähigkeiten.
Hopfield, John J. * Neural networks and physical systems with emergent collective computational abilities (1982) Hopfield-Netze als früher Beleg für emergente Kollektiveigenschaften in neuronalen Netzwerken. Nobelpreis Physik 2024.

6. KI-Führungspersönlichkeiten & öffentlicher Diskurs

Die folgenden Personen werden nicht als akademische Quellen, sondern als prägende Stimmen im öffentlichen und strategischen Diskurs über AGI zitiert:
Amodei, Dario CEO Anthropic; öffentliche Aussagen zu AGI-Zeitlinien und Sicherheitsparadigmen.
LeCun, Yann Chief AI Scientist Meta; prominenter Skeptiker gegenüber AGI-nahen Interpretationen großer Sprachmodelle.
Hassabis, Demis CEO Google DeepMind; Aussagen zu AGI als strategischem Ziel.
Sutskever, Ilya Mitgründer OpenAI / SSI; Aussagen zu emergenten Eigenschaften und superintelligenter Ausrichtung.
Suleyman, Mustafa CEO Microsoft AI; öffentliche Positionierungen zur Entwicklungsgeschwindigkeit von KI.

Anmerkung zur Vollständigkeit
* Implizite Referenz — inhaltlich präsent, nicht namentlich zitiert
Das vorliegende Verzeichnis unterscheidet zwischen explizit zitierten Quellen und impliziten Referenzen (markiert mit *), die inhaltlich im Text präsent sind, ohne namentlich genannt zu werden. Beide Kategorien sind für das intellektuelle Fundament von Die Stille Emergenz konstitutiv.